Hintergründe
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde von der russischen Besatzungsmacht im östlichen Teil Deutschlands ein sozialistischer Staat errichtet. Die Macht in diesem Staat sollte dem Proletariat, den Arbeitern und Bauern also, gehören. 1949 wurde offiziell die DDR gegründet. Die gesamte Wirtschafts- und Kulturpolitik wurde an der Ideologie der UdSSR ausgerichtet. Dem ostdeutschen Volk wurde versprochen, dass alle Produktionsmittel ihnen gehören sollten.
Umfassende Sozialpläne wurden erstellt. Es wurden Gesetze erlassen, die jedem Bürger einen Arbeitsplatz und kostenlose medizinische Versorgung garantierten. Um eine Erhöhung des Lebensstandards zu erreichen, wurden die Grundnahrungsmittel und Konsumgüter vom Staat subventioniert.
Der Verwaltungsapparat der DDR-Gesellschaft wurde mit der Zeit mehr und mehr ausgeweitet. Von diesem Apparat wurden viele unproduktive Bürokraten, Parteifunktionäre und ein riesiger Sicherheitsapparat (die "Stasi") finanziert. Außerdem wurde systematisch am wirklichen Bedarf der DDR-Bürger vorbeigeplant und produziert, wodurch Engpässe in der Versorgung entstanden. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wuchs. Viele Menschen kehrten dem Staat den Rücken und flohen in den westlichen Teil Deutschlands. Deswegen wurde von der DDR-Regierung ein Plan entworfen, der die Bürger an der Flucht hindern sollte. In Berlin wurde eine Mauer gebaut. Die gesamte Grenze nach Westdeutschland wurde gesichert. Es wurden Wachttürme aufgestellt und Stacheldrahtzäune errichtet. Auch wurde Schiessbefehl auf diesem "Todesstreifen" erlassen.
Das ganze System wurde so organisiert, dass Opposition schon im Ansatz erstickt werden konnte. Andersdenkende, wie zum Beispiel der Liedermacher Wolf Biermann und der Journalist Rudolf Bahro, wurden verurteilt oder ausgebürgert. Oppositionelle, die sich mit ihnen solidarisch erklärten, wurden mit Berufsverboten belegt, bespitzelt, verhaftet und in den Westen abgeschoben.
Die Lebensbedingungen wurden immer unerträglicher. Deswegen wurde von Michail Gorbatschow versucht, mit Hilfe von "Glasnost" und "Perestroika" das kommunistische System zu reformieren. Zeitgleich wurden auch in Polen Demokratisierungsversuche durchgeführt. Es wurde immer offensichtlicher, dass der Sozialismus ökonomisch zum Scheitern verurteilt war.
In der führenden Partei der DDR, in der SED, wurden jedoch keine Anstalten getroffen, das sozialistische System zu reformieren. So verlor die Partei mehr und mehr den Kontakt zur Bevölkerung.
In der evangelischen Kirche trafen sich deswegen zunehmend die DDR-Bürger, um alternative Sozialismusideen zu diskutieren. Bürgerrechtsinitiativen wurden gegründet. Als Ungarn im September 89 seine Grenzen öffnete, nutzten das viele DDR-Bürger zur Flucht. Bundesdeutsche Botschaften in Ostberlin, Prag und Budapest wurden besetzt. Reisefreiheit wurde gefordert.
Die Regierung wurde vom Volk gezwungen, Zugeständnisse zu machen. Viele Botschaftsbesetzer durften ausreisen , weil sie "das Land verraten" hatten. In allen Städten wurden Massendemonstrationen durchgeführt, bei denen Reformen von den Bürgern gefordert wurden. Anlässlich der Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR wurde vor Ausschreitungen gewarnt. Man drohte mit einer Reaktion des Staates im "chinesischen Stil".
Trotzdem wurden die Demonstrationen fortgesetzt. Die Opposition rief zum Dialog und zur Gewaltfreiheit auf. Diszipliniert und entschlossen demonstrierten Hunderttausende in allen Städten der DDR unter der Parole "Wir sind das Volk". Das SED-Regime verzichtete auf den Einsatz militärischer Gewalt. Am 7.11.89 wurde offiziell der Rücktritt der DDR- Regierung bekannt gegeben. Am 9.11.89 fiel die Mauer.