Der Fall der Mauer |
Der Fall der Mauer
Selbst in meinen kühnsten Träumen hatte ich mir ein geeintes Deutschland nicht vorstellen können. Schließlich hatte die Geschichte ( zwei Weltkriege) bewiesen, wie gefährlich das sein konnte. Und weder die Russen noch die Amerikaner hätten ein Interesse daran haben können, Deutschland vereint zu sehen.
Ich nahm an den Demonstrationen im Herbst 89 teil. Wir trafen uns immer Montag abends vor der Marienkirche in Rostock. Von Woche zu Woche gingen mehr Menschen auf die Strasse und am Schluss schien es, als sei die ganze Stadt auf den Beinen. Nach der Demonstration durch die Innenstadt gab es immer eine Andacht in der Kirche. Bürgerrechtler hatten die Möglichkeit dort zu sprechen, und ihre Reden wurden über Lautsprecher nach draußen übertragen, weil die Kirche einschließlich aller Nebenräume restlos überfüllt war. Alles ging so unwirklich friedlich zu. Selbst in Magdeburg, wo in den Fünfzigern schon einmal ein Aufstand blutig niedergeschlagen wurde, beschränkte sich die Staatsmacht auf die Präsenz von Wasserwerfern. Diese einzusetzen, gab es jedoch keinen Anlass, hielten sich doch alle Demonstranten konsequent an den Grundsatz der Gewaltlosigkeit.
Der Sinn dieses Volksaufstandes bestand aus meiner Sicht nicht in der Wiedervereinigung Deutschlands, vielmehr sollten demokratische Reformen in der DDR herbeigeführt werden.
Es kam jedoch ganz anders als viele erwartet hatten: die DDR-Regierung erklärte ihren Rücktritt und die Berliner Mauer fiel.
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